Ein Typischer Montag
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Ein typischer Montag

Verschlafen drehe ich mich um und versuche den Druck auf meiner Blase noch ein wenig zu ignorieren, wenig erfolgreich, denn ich fange an nachzudenken und kommen schnell zu dem Schluss, dass ich lieber aufstehe und auf’s Klo gehe. Ich hänge mir fröstelnd meinen Bademantel über, tapse leise ins Bad und genieße die morgendliche Erleichterung.

Auf der Toilette sitzend schweife ich wieder in Gedanken ab, bis ich merke das meine dabei Füße mal wieder eingeschlafen sind. Das passiert mir irgendwie ständig. Ungeduldig schüttle ich meine kribbelnden Füße und hopse unbeholfen von einem Fuß auf den anderen. Als es besser wird, schaue ich auf und sehe in mein verquollenes Gesicht im Spiegel. Na toll! Das kann ja was werden heute. Ein paar Minuten stehe ich da, schneide mir selbst Grimassen und stelle mir vor, wie ich mit Glatze aussehen würde. Sollte ich wohl endlich mal ausprobieren.

Langsam schlurfe ich wieder in mein Zimmer, anschließend in die Küche, riskiere einen Blick in den Kühlschrank und stelle enttäuscht fest, dass sich darin nichts Essbares befindet. Grummelnd gehe ich wieder zurück in mein Zimmer, lasse mich ins Bett fallen und höre wie mein Magen auf mein Grummeln antwortet. Pscht, denke ich, ist nichts da für dich. Da er nicht auf mich auf mich hört, rapple ich mich wieder auf, schlurfe erneut in die Küche und mache mir lustlos etwas zu Essen. Auf den zweiten Blick bin ich dann doch fündig geworden im Kühlschrank.

Herzlichen Glückwunsch denke ich mir

Nachdem das Grummeln endlich aufgehört hat, schaue ich auf die Uhr am Ofen. Verdammt. Halb zwei. Nachmittags. Verdammt. Egal, dann ist der Tag ja eh schon rum. Dann kann ich mich auch wieder in mein Bett legen. Gesagt, getan. Ich liege wieder im Bett und schaue mir stupide irgendwelche Videos auf Youtube an. Menschen, die vor ihren Kameras sitzen und stolz ihre Einkäufe präsentieren, Menschen, die mir erzählen, das sie endlich DIE perfekte Jeans gefunden haben. Herzlichen Glückwunsch, denke ich mir und schließe meinen Laptop.

Ich schaue zum zweiten Mal auf die Uhr. Es ist vier Uhr. Zeit zu essen. Ich schlurfe immer noch im Bademantel wieder in die Küche und mache mir zwei Brote. Ich sollte eigentlich mal wieder einkaufen gehen, notiere ich in meinem Kopf und lege mich wieder in mein Bett. In Ermangelung einer besseren Beschäftigung schaue ich weiter Videos auf Youtube. Auf meinem Handy. Laptop ist mir zu anstrengend. Als ich merke, dass meine Augenlider langsam schwer werden, schließe ich die Youtube App auf meinem Handy und schaue wieder auf die Uhr. Es ist halb sieben. Super, noch dreieinhalb Stunden und ich kann schlafen gehen.

Bald ist Schlafenszeit

Eine halbe Stunde später klopft es an meiner Tür. Ich gehe mit meinen Mitbewohnern auf den Balkon und rauche eine Zigarette, naja eigentlich zwei oder eher drei. Sie erzählen von der Arbeit und der Uni und von seltsamen Menschen. Und was hast du so gemacht? Mhm, ich überlege. Nichts, sage ich. Das einzig seltsame, das mir heute über den Weg gelaufen ist, war ein grummelndes Etwas im Bademantel. Wahrscheinlich mein Spiegelbild. Wir diskutieren noch eine Weile über Gott und die Welt. Als alle wieder reingehen, lege ich mich in mein Bett. Das tut gut.

Es ist halb neun und schon seit einiger Zeit stockdunkel draußen. Bald ist Weihnachten, denke ich und habe den Geruch von Plätzchen in der Nase. Essen. Ich gehe in die Küche mache mir zwei Brote und lege mich ins Bett. Zum krönenden Abschluss des Tages will ich noch eine Folge Serie schauen. Ein paar Stunden später habe ich die Hälfte der ersten Staffel durch und schaue noch einmal auf die Uhr. Drei Uhr morgens. Mhm, denke ich, typischer Montag.

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